re:publica, klopapier und die fragen des lebens

08Apr08

letzte woche war ich auf der konferenz re:publica 08, der einzigen veranstaltung hierzulande, die sich gezielt mit blogs und social media auseinandersetzt. so sehr, dass ich eintritt dafür zahlen würde, interessiert mich die thematik nicht, aber wie schon letztes jahr ließ sich ein fairer deal (freier eintritt gegen arbeitskraft) mit markus vom veranstalter newthinking arrangieren.

die re:publica ist natürlich ein branchentreffen von leuten, die nicht nur ins internet schreiben, sondern zusätzlich noch viel über ihr medium nachdenken. insofern mag ich die veranstaltung auch nicht als „bloggerkonferenz“ betiteln, da ja die herkömmlichen blogger/innen, also menschen, die aus den unterschiedlichsten gründen hier und da was ins netz schreiben, gar keine konferenz benötigen. wir gehen ja auch nicht alle zu einer konferenz der klopapierbenutzer.

die re:publica ist also eine konferenz der klopapierhersteller, -vermarkter und -tester. benutzen tun sie natürlich auch welches, nur sie reden zusätzlich auch noch darüber. also eine konferenz der meta-blogger, die sich gedanken um ihr eigenes medium machen. hin und wieder bekam ich dabei den eindruck, dass mancher dort seine eigene allumfassende medientheorie erdacht hatte, die aber, wenn man sie mal genau ansieht, blöderweise nur auf ihn selbst und noch ein, zwei andere zutrifft.

es gibt sie ja, diese sogenannten a-blogger, die aus nicht mehr genau nachvollziehbaren gründen viel mehr leser haben als der ganze rest zusammen. die machen ihre sache sicher ordentlich, mich persönlich interessieren sie aber fast alle nicht. schön zu hören, wenn jemand mit dem, was er gerne tut, sein geld verdient, aber wenn ich dann das lamento höre, dass diese oder jene werbeform sich nicht lohne, weil man damit eh nur 300 euro im monat verdiene, denke ich mir schon: na, der hat’s ja auch. ich hätte damit schon meine miete bezahlt.

am ende war die re:publica ein nettes treffen mit einer handvoll leuten, die man ansonsten selten sieht und einer handvoll namen, die man immer wieder liest, ohne dass es einen selbst betrifft. erkenntnisse gab es, wie schon letztes jahr, für mich eher nicht. die konferenz käme also meiner meinung nach auch mit weniger vorträgen aus, in denen oft das erzählt wurde, was man schon im netz gelesen hatte. dafür lieber ausgedehnte pausen, weil es ja dann doch eher um’s begegnen und das persönliche gespräch geht.

zum schluss noch der thematische schlenker, warum dieser text im reuterkiez-blog gelandet ist: im programm gab es auch zwei panels zum thema „placeblogs“, einem begriff, der mir bisher nicht so geläufig war. wie unschwer zu erraten ist, schreiben „placeblogger“ über einen bestimmten ort, z.b. über ihre stadt oder ihren kiez. ich bin also auch einer, nur dass ich es nie wusste, was mir aber auch herzlich egal ist.

denn: so nett es menschlich war, diverse stadtblogger auf der konferenz zu treffen und mit ihnen zu reden, umso egaler ist mir persönlich die ganze theorie, die darum aufgebaut wurde. wiederholt wurde vorgeschlagen, placeblogger müssten sich besser vernetzen; wozu genau, weiß ich jetzt auch nicht. (der beste einwand darauf war immer noch, dass man ja bereits im internet sei und daher schon vernetzt.) insofern kamen da wohl wünsche nach einer art dachorganisation auf. ich habe da ja eher das gefühl, dass manche menschen sich besser fühlen, wenn sie teil von irgendetwas sind. bei readers edition findet sich dazu passend folgende definition eines placeblogs, die mir vorkommt, als wäre sie nicht nüchtern verfasst worden:

Aber was ist ein Placeblog? Placeblogs beschäftigen sich mit einer zumeist klar abgegrenzten Region, Kommune, dem Kiez. Es geht um subjektive Wahrnehmung eines bestimmten ‘place’. Woher komme ich? Wer bin ich? Auf solch elementaren Fragen gründet sich letztlich die Existenz von Placeblogs.

Identifikationsstiftung spielt eine große Rolle.

wenn das so ist, möchte ich eigentlich kein placeblogger sein. ich möchte hier weder die großen philosophischen fragen erörtern noch irgendwelche identifikation stiften. das sind antworten, die jeder für sich selbst finden muss und, ganz ehrlich, wer sich selbst nur darüber definiert bekommt, wo er wohnt, sei es auf lokaler oder globaler ebene, der ist eine ganz schön arme sau.

wer sich dafür interessiert, was anderswo so gebloggt wird, kann sich ja die listen der lokalblogs bei readers edition und im wiki der re:publica ansehen. und in diesem blog geht es nach diesem kleinen aufsatz „mein schönstes ferienerlebnis“ mit der üblichen kiezmischung weiter.

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2 Responses to “re:publica, klopapier und die fragen des lebens”

  1. 1 Martin

    Ganz interessant. Ich glaub die Blogosspähre dreht sich ein wenig um sich selbst. Vor kurzem wurden in einem Artikel die drei größten Blogs genannt. Ich hab recht gestaunt, als ich dann doch nur einen (bildblog) kannte. Ich weiß nicht wie es anderen so geht. In Amerika scheint ja die Huffington Post nicht nur etabliert, sondern netztechnisch Marktführer zu sein. Dort bin auch schon mal vor 1-2 Jahren drauf gewesen. Aber z.B. Riesenmaschine.de hatte ich zuvor noch nie gehört. Obwohl Sascha Lobo mir durchaus ein Begriff ist und auch die sog. digitale Boheme.


  1. 1 Readers Edition » Placeblog-Rundschau: Die Wochenendtipps

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