hamburg, nee, neukölln rockt

12Mrz08

nachdem die aktuelle zitty heute früh auch bei mir eingetroffen ist, hab ich das corpus delicti mal bei einer tasse earl grey untersucht. wie so oft im hause zitty: die große sensation, die es auf dem cover noch zu sein schien, ist es gar nicht. der artikel kommt freundlich und mit wenig hype-beschwörung daher.

was mich ein bisschen wurmt, ist das zwei, drei mal zu lesende mantra: „wegen der günstigen mieten“. auch immobilienmenschen sind nicht blöd. es war schon vor einem jahr, vor meinem umzug so, dass in friedrichshain viel mehr und günstigere wohnungen zu haben waren als hier. in der weserstraße, in dem frisch sanierten haus neben dem kuschlowski, sind bis auf eine schon alle neuen wohnungen weg: „ich habe mich auch gewundert, wie schnell das ging, obwohl die mieten höher als ortsüblich sind.“, sagte die hausverwalterin am telefon. die kleine leerstehende bäckerei kurz vor dem silver future war auch „ungewöhnlich schnell“ wieder vermietet.

irgendwie also, um mal auf den zitty-artikel zurückzukommen, ein frommer wunsch, wenn dann gegen ende des textes gehofft wird, dass die mieten nicht steigen. ich will nicht sagen, dass die zitty als einziges öl ins feuer gießt, auch wenn es vermutlich bisher das größte fass (will sagen: mit der höchsten auflage) ist. ich mache das ja allein durchs bloggen auch und ihr, liebe leser, seid ja auch irgendwie akteure der veränderungen hier, ob ihr wollt oder nicht.

zuletzt noch drei dinge zum zitty-artikel:

  1. neukölln ist der „derzeit“ spannendste bezirk. das gibt sich also wieder.
  2. beim lesen kam ich mir etwas blöd vor, denn der artikel beginnt mit einem riesenfoto vom „raumfahrer“ in der hobrechtstraße. da war ich gestern das erste mal und fühle mich jetzt unwohl beim gedanken, ggf. dort als „ah, noch ein neuer, der es in der zitty gelesen hat“ abgestempelt worden zu sein. (ist aber nett da. werde trotz zitty wieder hingehen.)
  3. ich bedanke mich sehr für’s zitiert-werden, denn der zitty-autor hat offensichtlich hier im blog nachgelesen. das merkwürdige gefühl, wenn man seine eigene wortschöpfung, die nachlässig ins digitale geschleudert wurde, auf einmal quasi ehern und für alle zeiten gedruckt vor sich sieht, wirkt bei mir gerade noch nach. aber, verdammt, hättet ihr nicht wenigstens einen link dazupacken können, liebe zitty? ich hätte hier sofort werbung hingepackt und wäre reich geworden. das wäre ein schönes geschenk geworden.

so, und jetzt geh ich frühstücken. natürlich in kreuzberg.

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9 Responses to “hamburg, nee, neukölln rockt”

  1. 1 jo.

    der aspekt, dass es in friedrichshain mehr und günstigere wohnungen gibt als in neukölln wirkt auf mich etwas befremdlich, da genau das suchergebnis vom letzten herbst, dass es nämlich in friedrichshain zwar viele wohnungen gibt, die aber teilweise eben nicht günstiger und fast ausschließlich nur mit provisionszahlung zu haben, mich letztendlich nach neukölln geführt hat. aber vielleicht war ich einfach nur zu panne, richtig gründlich zu suchen. auch ein nicht allzu abwegiger gedanke.

  2. 2 blu_frisbee

    Die BZ vom 16. hats ja noch getoppt. Doppelseite mit Plan, numeriert und Fotos der Lokalitäten. Das schlimmste an diesem Künstlerpöbel ist ja, daß die sich selber alle so wichtig vorkommen. Und viel Wind machen müssen. Und sich hinterher über die gentrification beschweren. Man wird auch diese Plage überleben.

  3. 3 an

    Zitty schreibt wirklich reinsten Unsinn, wahrscheinlich im frommen Wunsch seine Auflage zumindest in zukünftigen Neukölln zu steigern. Verlorenes Blatt für einen noch mindesens 30 Jahre verlorenen Bezirk.

    Neukölln kann nie IN werden oder sich zum Positiven verändern. Es sind einfach keine Voraussetzungen da. Dass die Situation in Neukölln erbärmlich ist, kann jeder sehen.

    1. Hochverschuldete, Arbeitslose, Kriminelle, von der Gesellschaft ausgegrenzte Migranten und deutsche Looser, Harz4-Abhängigen und agressive/geisteskranke Jugend machen mindestens schon 80% der Einwohner in Neukölln. (Akademikeranteil: gerade erbärmliche 5%)
    2. In Neukölln sind die Mieten gar nicht so günstig. Je mehr Sozialschwache aus anderen Bezirken vertrieben werden, werden noch die wenigen Wohnungen auch weg sein. Der Staat zahlt hohe Mieten an Neuköllns gierige Hausbesitzer sehr pünktlich.
    3. Dass zwei-drei neue Läden in Neukölln eine Titelseite wert sind, ist krank. Sonstwo in Belin machen tausende Läden auf, aber für das bemitleidenswerte Neukölln ist das schon eine Titelseite wert.
    4. Das Zitty-blabla kann nur als eine Krokodilträne gesehen werden. Damit man in Pberg und Fhain frei ohne unbeliebte und unertägliche Looser ausgelassen feiern und Spass haben können, verdanken wir Neukölln. Botschaft: nicht neidisch sein, ihr kriegt auch ein bisschen Spass. Bloß aber nicht nach Pberg ziehen!!
    5. Alles was Berlin hasst, hat Platz in Neukölln gefunden. Kein Berliner zieht nach Pberg ohne Hintergedanken, nach Neukölln noch weniger und unfreiwillig.

    Empfehlung: Zieht aus um euer Leben. Wer einmal in Neukölln feststeckt, kommt nie wieder raus.

  4. 4 Deling

    wow, da ist aber jemand schlecht drauf.

  5. „Empfehlung: Zieht aus um euer Leben. Wer einmal in Neukölln feststeckt, kommt nie wieder raus.“

    Wer aber reinmöchte, erhält bei der Neuköllner Botschaft am Schlachtensee unbürokratisch ein Visum für die Einreise:
    http://www.neukoellner-botschaft.de

  6. 6 Wolfgang Müller

    Excellenter Service.
    Visum ohne Probleme erhalten.
    Danke!

  7. Willkommen Wolfang..hehe!
    Aber das Visumsformular muss mal erneuert werden. Blauer Affe als Aufenthaltsort gilt ja nun nicht mehr.

  8. 8 jonobo

    Der blaue Affe meldet sich zum Dienst und berichtet von Innenansichten eines Alkonauten aus dem Raumfahrer:
    http://kreativkiez.blogspot.com/2009/05/raumfahrer-eine-kneipe-fur-alkonauten.html


  1. 1 die stimme der vernunft « das reuterkiez-blog

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